"Der Freiläufer" - Entwicklungsroman in einer fantastischen Welt

Meinen Gruß in die Schreiberrunde!

Als absoluter Neuling hier möchte ich gerne den Einstieg wagen und die zwei ersten Kapitel meines Romanentwurfs posten. euch wird auffallen, dass es aus zwei Zeitebenen besteht, den kursiv geschriebenen Rückbländen im auktorialen Stil und der Hauptgeschichte im Präsens. Es war eine große Herausforderung, beide Ebenen so ineinander zu verschränken, dass die Handlung nihct ins Stocken geriet. Aus dem vorliegenden Text gehen die vielen Verschränkungen nicht hervor, aber wer Interesse hat, dem liefere ich gerne etwas mehr.

Eigentlich geht es um den inneren Kampf der Hauptperson, der ein Leben voll Bitterkeit führt und erst langsam an Handlungssicherheit und Selbstwirksamkeit gewinnt - aber wenn man die Geschichte nacherzählt, klingt es wie High Famtasy. Das ist eine Bürde, weil der Roman die Erwartungen der Fantasy-Leserschaft nur sehr bedingt erfüllt, das Setting dagegen schreckt potentielle Leser von Bildungsromanen ab. Nun ist es zu spät, das Buch ist weitgehend fertig für Testleser und fragt verzweifelt: “In welches Regal gehöre ich eigentlich?”

Ich bin gespannt auf Eure Kritik, worauf auch immer sie sich beziehen mag:

1.1. Der Aufbruch

Westerburg, erster Wonnemond 520

Misstrauisch nahm der Schankwirt die kleine, aber schwere Münze vom Tresen auf und drehte sie prüfend zwischen den Fingern. Auf ihrer Vorderseite waren seltsame Zeichen eingeprägt, die Rückseite zierte ein Wolfskopf. Vorsichtig nahm er sie zwischen die Zähne und biss hinein. Das Metall war weich, sein Eckzahn hinterließ eine kleine Delle – kein Zweifel, es war Gold. Auch wenn er die Herkunft der Münze nicht kannte, es reichte für die Runde, die Bernward Hallberg soeben für das gesamte Gasthaus ausgegeben hatte.

„Der verwegene Hallberg – er lebe hoch!“ rief weiter hinten in der Schänke einer der Gäste, und andere stimmten ein und trommelten mit ihren Krügen auf die Tische. Bernward lehnte sich zurück. Genau so hatte er sich seinen Aufbruch vorgestellt. Sobald das Bier floss, kamen auch die Gespräche in Gang.

Am Nachbartisch stießen sie jetzt nicht auf ihn, sondern auf alle Hallbergs an, die jemals Ruhm erlangt hatten. „Na, so viel könnt ihr gar nicht trinken, wie man da anstoßen müsste“, lachte Bernward ihnen zu, und zustimmendes Johlen war die Antwort.

Bier- und Pfeifendunst füllte den Raum. Es schien, als hätte halb Westerburg sich in der Schenke versammelt. Bernward ließ seinen Blick über die Anwesenden streifen. Viel bekamen die Westerburger in ihrer kleinen Grenzstadt nicht zu sehen. Ihr Blick reichte kaum über die Stadtmauern hinaus. Und über die Granitz nach Elemara zu gehen, daran wagten sie seit dem Wüstenkrieg nicht einmal zu denken.

Er stützte die Knöchel seiner Fäuste auf den Tisch und erhob sich, und mit ihm standen drei weitere Männer auf. Die restlichen Gäste stellten ihre Krüge ab und taten es ihnen gleich. Alles drängte nach draußen. Keiner wollte den Aufbruch des berühmten Abenteurers versäumen.

Bernward durchschritt die Türe und schloss, vom hellen Licht geblendet, für einen Augenblick die Augen. Die scharfe Frühlingsluft fuhr ihm ins Gesicht wie frisches Bergwasser. So blieb er einen Augenblick stehen, während die Westerburger einen großen Halbkreis um den Wagen und die Pferde bildeten, die vor der Schänke warteten. Seine beiden älteren Kameraden machten sich an den Sattelgurten zu schaffen, der jüngste von ihnen aber eilte noch einmal zu seiner Mutter, die mit tränenüberströmtem Gesicht in der Menge wartete. Die arme Frau. Mit seinem blonden Lockenschopf und jugendlicher Begeisterung allein dürfte ihr Sohn da drüben nicht lange überleben. Er würde ein Auge auf ihn haben, schon weil er auf ein paar Begleiter angewiesen war.

Dann schwang sich Bernward auf sein Pferd und fing geschickt die Lanze auf, die ihm einer der Begleiter nach oben warf. Manch einer der Umstehenden ballte seine Hand zur Faust, als gelte es auch für ihn, eine Waffe zu packen. „Schaut ihn euch an!“, klang eine junge Frauenstimme weiter hinten. „Im eigenen Bett wird er aber nicht sterben“, entgegnete ihr eine ältere. Aus den Augenwinkeln sah Bernward zufrieden, wie sich seine beiden Kampfgefährten stumm zunickten. Dann schwangen auch sie sich auf die Pferde.

Der blonde Jüngling nahm auf dem Kutschbock Platz, schnalzte mit den Zügeln und wendete den Wagen in engem Bogen zur Brücke über die Granitz hin, hinter der sich weit und sanft die wellige Graslandschaft von Elemara öffnete. Auch Bernward wendete sein Pferd und ritt im Schritt an den versammelten Westerburgern vorbei, da griff eine Hand aus der Menge nach seinem Zügel und er hielt an.

„Mit Helden wie dir fängt es an, Herr Bernward“, sagte ein alter, müde wirkender Mann. „Und mit solchen wie mir endet es dann meist.“ Mit diesen Worten drehte er Bernward seine rechte Seite zu – und streckte ihm seinen abgehauenen Armstumpf entgegen.

„Lass gut sein, alter Bogner!“, rief der blonde Jüngling vom Kutschbock herunter. „Der Fürst schickt uns, um Karten zu zeichnen, nicht in den Krieg!“

Der Alte ließ den Zügel los und winkte mit seiner verbliebenen Hand ab. „Na, mir drückt jedenfalls keiner mehr ein Schwert in die Rechte, wenn es dann wieder losgeht.“

„Er war im Wüstenkrieg dabei“, erklärte der Junge, halb stolz, halb entschuldigend. „Ich kenne alle hier in Westerburg!“

Bernward nickte ihm freundlich zu. Und dabei wusste er genau, dass jeder Krieg zunächst auf einer Landkarte begonnen hatte.

Von der Schänke bis zur Brücke war es nicht weit. Die Bürger folgten Bernwards Trupp, doch am ersten Brückenpfosten blieben sie stehen. Hinübergehen würde niemand. Bernward blickte noch einmal zurück zur Stadt und hob die Lanze. Dann gab er dem Pferd einen leichten Schenkeldruck. Die Hufeisen dröhnten dumpf auf dem Holz der Brücke, danach ratterten die Wagenräder den Pferden hinterher. Die Sonne stand noch nicht ganz im Mittag, und so eilten die Schatten der Reiter ihnen voraus in das Land Elemara.

Es war schon Nachmittag, als Bernward eine erste Rast einlegte. Während die Männer die Pferde an einem kleinen Bach saufen ließen und ihnen Hafer gaben, hatte er einen Hügel erklommen und blickte weit über die Ebene, auf der das blaugrüne Gras über den sanften Hügeln ausgebreitet lag wie ein wehendes Tuch. Hinter sich konnte er am Horizont noch die Dachspitzen von Westerburg erkennen. Bis hierher reichte die Karte, die ihm Fürst Odalrik unter dem Siegel der Verschwiegenheit in die Hand gedrückt hatte. Von nun an würde er Wegen folgen, die nicht darauf verzeichnet waren.

In der Karte waren an mehreren Stellen kleine Rechtecke eingezeichnet. Dort sollten einmal Kastelle errichtet werden, um das ‚Vorfeld von Westerburg abzusichern’, wie man es bei Hofe ausgedrückt hatte. Bernward musste lächeln. Der Fürst und seine Provinzstrategen! Es war kein allzu großes Gebiet, das er sich da unter den Nagel reißen wollte, doch immerhin so groß, dass es nicht ohne Wissen und Billigung des Kaisers geschehen konnte.

Das war der zweite Teil seines Auftrags: Briefe. So oft wie möglich sollte er Fürst Odalrik berichten, von der Gefahr, die aus Elemara drohte genauso, wie von den fruchtbaren Ebenen und Bodenschätzen, die dort warteten. Bernward faltete die Karte zusammen und verscheuchte eine Pferdebremse auf seinem Unterarm. Für besonders klug hielt er den Plan des Fürsten nicht, dem Kaiser den Mund ein bisschen wässrig zu machen. Der Hunger kam bekanntlich erst richtig mit dem Essen. Und der Kaiser konnte einen sehr gesunden Appetit entwickeln. Bernward selbst war vor Jahren als junger Knappe bei einem kaiserlichen Festessen dabei gewesen.

Er blickte den Hügel hinunter. Auf der wegabgewandten Seite war die Grasnarbe in scharfer Kante abgerissen, und eine Geröllhalde erstreckte sich bis in die Senke. Er bückte sich, hob einen faustgroßen Kiesel auf und betrachtete ihn nachdenklich. Nein, den Kaiser hätte Fürst Odalrik besser nicht über seine Expansionspläne in Kenntnis setzen sollen.

Mit einem Schulterzucken ließ er den Stein wieder fallen. Der Stein hüpfte über die Kante und schlug mit einem leisen Klacken im Geröll auf. Nein, dieses Fürstlein ahnte nicht im Geringsten, was es da lostrat. Bernward drehte sich um und stieg hinunter zu seinen Kameraden. Und während er mit sicheren Schritten den Hügel hinabging, kam auf der anderen Seite ein zweiter Stein ins Rutschen, dann ein dritter, und mit einem Mal rollte eine ganze Gerölllawine ins Tal.

1.2. Westerburg

Vierzig Jahre später.

Tag 47: Westerburg, einundzwanzigster Lenzing 560

Es brennt wie tausend Nadeln, wenn das scharfe Kalkwasser in die Risse meiner Hände dringt. Ich zerre das Ziegenfell im Bottich auseinander, wende es, hebe es heraus – es gleitet mir aus den froststarren Fingern und fällt in den Bottich zurück. Kalkwasser spritzt mir entgegen, schnell presse ich die Augen zusammen und mache einen Schritt rückwärts. Das frostige Gras knirscht unter meinen Füßen. Und wieder greife ich in die ätzende Flüssigkeit, beiße die Zähne zusammen und packe fester zu. Wieder ziehe ich das Fell heraus, die ersten Haare lösen sich, aber es ist noch nicht bereit für den nächsten Bearbeitungsschritt.

Ein feines Ziegenleder. Da wird mal ein hübsches Paar Handschuhe draus, für einen ganz besonders vornehmen Herrn, vielleicht ein Patrizier, oder einer aus der Trutzburg.

Trutz Westerburg! Ich blicke zu den klafterdicken Mauern hinüber, zu den hohen Türmen und den Fahnen, die vor Frost ganz steif geworden sind. Wie die Burg sich so zwischen die Stadt und die Granitz schiebt, das wirkt, als stieße sie einen frechen Drohruf aus zur anderen Seite des Flusses, in Richtung Elemara: „Kommt doch und holt euch zurück, was unser Kaiser sich im Kampf erworben hat und was Fürst Odalrik verteidigt! Ihr wagt’s ja nicht!“

Mit einem Seufzer lasse ich das Ziegenfell wieder in den Bottich gleiten und schaue hinüber zu den Gerbern. Ich habe andere Sorgen. Einer der Gerbergesellen hat eine Kuhaut über den Scherbock gespannt und schabt Fleisch- und Fettreste herunter. Der Atem geht ihm schwer und steht ihm weiß vor Mund und Nase. Bald wird die Haut in meinem Bottich landen, das wird noch einmal härter als das kleine Ziegenfell. Ein zweiter bearbeitet ein Fell, das eben noch in meinem Bottich lag, und kratzt in großen Büscheln die Haare herunter, so dass sie in dicken, feuchten Klumpen ins nasskalte Gras fallen.

„Na, hast du Haarausfall?“ ruft einer der älteren Lehrlinge zu ihm herüber, und die anderen lachen, während sie abgeschabte Felle mit Stangen in die Granitz tauchen. Ich lache nicht mit, sondern lächle nur müde.

Als ich mein letztes Fell aus dem Bottich ziehe, um es zum Scherbock zu tragen, sind meine Finger so steif, dass ich es über meinen geröteten Arm legen muss.

„Nur immer frisch her mit dem Lappen!“, ruft mir der Geselle zu und schwingt sein Schabeisen. So sagt man Danke bei den Gerbern, denke ich und nicke nur, wende mich um und trotte zum Ufer hinunter. Als ich meine Arme in der eiskalten Granitz abwasche, spüre ich meine Finger schon lange nicht mehr. Genug getan für den Vormittag.

Auf dem Weg zu meiner Kate am Rand der Gerbersiedlung gehe ich noch bei der Hütte des Meisters vorbei, um mir bei seiner Frau zwei verbrannte Brocken Schwarzbrot abzuholen.

Die Meisterin legt das Brot in meine roten, steifgefrorenen Hände. Zugreifen kann ich nicht mehr. Mein verspätetes Frühstück.

Zwei Kanten Brot, das ist eine ganze Menge, da habe ich sogar die Chance, satt zu werden. Vor einem Jahr hätte ich eines der Stücke meiner Mutter gegeben, aber nun ist sie tot.

Wie konnte sie sich trotz dieses harten Lebens hier nur heimisch fühlen? Wir wohnen nicht einmal innerhalb der Stadt, unsere Kate ist lausig, der Gestank von den Gerberhütten infernalisch.

„Mein lieber Junge, ich weiß, dass ich eine Westerburgerin bin, und du bist auch ein Westerburger", war ihre unbeirrte Antwort, wann immer ich über die Stadt und ihre Bürger klagte. Und verzweifelt fügte sie jedes Mal hinzu: „Wenn ich mich nur erinnern könnte. Ich weiß es doch, ich weiß es.“

Und wo ist der Vater? Und wer ist er?

„Reicht dir denn deine Mutter nicht? Reicht es dir denn nicht, dass ich ganz sicher weiß, dass wir Westerburger sind.“

Mehr hat sie mir nie gesagt.

Ich nehme das zweite Stück Brot zur Hand und beiße gedankenverloren hinein. Mein Blick sucht auf dem festgestampften Erdboden nach ein paar Krümeln, die dabei heruntergefallen sind.

Nein, Mutter, ich bin kein Westerburger. „Freiläufer“ nennen mich die Leute, und darin schwingt Verachtung mit. Ich bin frei, zu kommen und zu gehen, wie es mir beliebt, ich bin nicht dem Befehl des Fürsten unterworfen. Aber ich bin nicht frei von den misstrauischen Blicken, wenn ich die Schänke betrete, und ich bin nicht frei von Kälte im Winter, und ganz und gar nicht frei von der Sorge, wovon ich morgen leben soll. Die Freiheit, die man mir so großzügig zugesteht, lässt mich jeden Tag um mein Überleben bangen.

Es heißt, dass man für seine Freiheit kämpfen muss, aber ich muss kämpfen aufgrund meiner Freiheit, und manchmal wäre es mir schon ganz recht, ein bisschen weniger Freiheit und etwas mehr zu essen zu haben. Wenigstens ab und zu.

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Mir gefällt die Geschichte bis hierher. Ist gut geschrieben. Nur die Stelle mit:
“Die Meisterin legt das Brot in meine roten, steifgefrorenen Hände. Zugreifen kann ich nicht mehr. … Ich nehme das zweite Stück Brot zur Hand … “
irritiert mich.

Und warum geht keiner über die Brücke? Ich würde gerne noch weiterlesen.

Ich verstehe deine Unsicherheit bezüglich des Genres (in dem Text) nicht. Für mich klingt das nach Fantasy. Was sollte es denn werden? Du hast die Begriffe High Fantasy und Bildungsroman benutzt, das liegt ja meiner Meinung nach ziemlich weit auseinander.

Ich hätte auch erst gesagt: Das ist Fantasy. Aber nach einer ausführlichen (und, wie ich denke, auch fruchtbaren) Diskussion mit der KI sind “wir” zu dem Ergebnis gekommen, dass mein sehr langsamer Schreibstil und die sich sehr langsam entwickelnde Geschichte eben nicht zur Erwartungshaltung eines modernen Fantasylesers passt. Das Genre brauche ich ja nur, um im Expose für einen Verlag den Lektor richtig einzustimmen.

Freut mich, dass du die Frage mit der Brücke eher als Anreiz zum Weiterlesen siehst und nicht als logischen Bruch (Brücke, die keiner überquert, hä??).

Und das mit dem Brot muss ich ausbessern, auch dafür vielen Dank.

Übrigens suche ich tatsächlich einen oder mehrere Testleser, die dann natürlich auf Seite 1 in einem Dankeschön Erwähnung fänden. Um es dir leichter zu machen: Ich würde zum Buch einen Fragebogen mitgeben, damit dem Testleser deutlich wird, worauf ich insbesondere Antworten suche. Bei Interesse: mehr als gerne!!

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nur ganz schnell ( ich schau’s mir heute Abend ausführlicher an): Auch Fantasy darf sich ruhig und langsam entwickeln. Wenn sie gut geschrieben ist, lebendige Figuren und einen spannenden Plot hat, finden sich dafür auch Leser.

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Willkommen im Forum!

Ich tendiere auch dazu, Fantasy als Genre zu vermuten … könnte eine gute Geschichte werden, wenn denn auch bald einmal etwas passiert … guter Anfang, finde ich.

Ein paar Dinge sind mit aufgefallen, über die stolpere ich:

Das ist ein unglückliches Inquit - natürlich kann er lachen, aber nicht dabei/gleichzeitig verständliche Worte produzieren. … rief Bernward ihnen zu und lachte lauthals.

Pfeifendunst kannte ich noch nicht, vielleicht Bierdunst und Pfeifenrauch?

Hier stolpere ich über einen fehlenden Zusammenhang, auch mit den folgenden Absätzen.

…”, erklang …?

wieso zufrieden?

wirkt auf mich etwas schwerfällig: Er wusste, dass jeder Krieg auf einer Landkarte begonnen hatte. oder sogar ohne den vorderen Teil: Jeder Krieg begann auf einer Landkarte.

evtl. das “Festessen” in Anführungszeichen setzen, wenn es denn für einen früheren Krieg stehen soll (ich bin manchmal etwas schwer von Kapee, hat bei mir einen Moment gedauert, bis dieses Bild ankam).

oder unter meinen Stiefeln/den dünnen Sohlen meiner Stiefel … - barfuß wird er da nicht arbeiten, oder?

eben war es frostig - vllt. Adjektiv weglassen

Er hat das Brot doch schon in den Händen - die er allerdings kaum/nicht bewegen kann. Vielleicht hat er oben die Hände an die Brust gedrückt, um das wertvolle Brot nicht zu verlieren?

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@Alex_Sassland hat dir hier eine Menge gute Anmerkungen gegeben, denen ich mich anschließe.

Der Prolog hat mich so noch nicht überzeugt, er ist zwar nicht schlecht geschrieben, aber er plätschert zu sehr dahin, ohne dass man weiß, worum es eigentlich geht. Ich würde ihn tatsächlich rigoros straffen und einen ‚Appetizer‘ einbauen, um die Leser an den Haken zu bekommen.
So zieht es sich über drei Seiten, ohne dass wirklich etwas passiert oder ein spannendes Ereignis in Aussicht gestellt wird.
Später im Roman kann man solche Passagen bringen, z.B. wenn vorher eine sehr actionreiche Szene stattgefunden hat. Für einen Anfang finde ich es zu langatmig.

Die Szene 40 Jahre später gefällt mir viel besser. Man ist sofort und unmittelbar ins Leben einer Figur involviert und nimmt auch schon etwas Anteil. Es werden Fragen aufgeworfen und man möchte wissen, wie es mit dem ‚Freiläufer‘ weitergeht.
Wenn diese Szene ganz am Anfang des Romans stehen würde, würde ich weiterlesen wollen.

„Kommt doch und holt euch zurück, was unser Kaiser sich im Kampf erworben hat und was Fürst Odalrik verteidigt! Ihr wagt’s ja nicht!“

Dieser Satz wirkt schon sehr wie Informationsvermittlung vom Autor, ein „Kommt doch und holts euch zurück“ reicht hier völlig. Der Rest ließe sich im weiteren Verlauf unterbringen.

„Der verwegene Hallberg – er lebe hoch!“ rief weiter hinten in der Schänke

Nach dem schließenden Anführungszeichen kommt ein Komma, wenn die eigentliche wörtliche Rede nicht mit einem Punkt beendet wird.

Und die Schenke schreibst du mal mit e, mal mit ä. Duden sagt zwar, mit e ist richtig, was ich nie kapiert habe, kommt schließlich von ‚Ausschank‘.

Auf alle Fälle weiterschreiben, das kann eine interessante Sache werden!

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Danke Euch beiden für eure Anmerkungen. Ich bin ehrlich gesagt etwas betroffen, wie viele Schludrig- und Kleinigkeiten mir da noch durchgegangen sind. Und das auf den fünf oder sechs am besten durchgearbeiteten Seiten von insgesamt 280. Das meiste habe ich entsprechend abgeändert.

Besonders wertvoll sind natürlich Hinweise auf Verständnisschwierigkeiten. Ja, warum ist Bernward “zufrieden”, als ersieht, dass seine Gefährten sich bei der Bemerkung zunicken, dass er nicht im Bett sterben wird - weil es eine Familientradition der Hallbergs ist. Kann das der Leser wissen? Eher nicht …

Der “Prolog” und der fehlende Zug am Anfang. Ein riesengroßes Problem. Klar, das zweite Kapitel ist eher so, wie man es von “moderner” Literatur erwartet. Und ich stehe vor der bangen Frage, ob der vor sich hinplätschernde Einstieg wirklich ein Kill-Kriterium für einen Lektor ist. Ich verstehe auch, dass ein vor-sich-Hinplätschern nicht unbedingt durch wilde Action ersetzt werden muss. Es ist nun einmal so, dass in dem Buch die erste Schnittwunde erst nach ungefähr der Hälfte zugefügt wird, und bis dahin durchläuft der Freiläufer eine tagelange Sequenz von Selbstreflektion, Zweifeln und existentialistischen Fragen. Na, ganz so schlimm nicht: nach und nach kommt auch heraus (Spoileralarm!), dass seine Mutter offenbar in Elemara gelebt hat, und das ist natürlich ein großer Schock für ihn. Und diese Info kommt häppchenweise durch Szenen und Einschübe, die eher vor sich hinplätschern wie der Prolog und die Vergangenheit und andere Orte beleuchten, so dass der Leser teilweise einen Wissensvorsprung gegenüber dem Freiläufer bekommt, was ja auch Spannung erzeugen kann (hoffentlich).

Ach, ich bin einfach von der Leserkritik noch nicht genug weichgekocht, um den Prolog nach hinten zu verschieben. Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein, was kein Cliffhanger im Thriller-Stil ist und dennoch eine Grundspannung erzeugt. Nur was … nur was??

Denk dir nichts, das ist normal. Bei den eigenen Sachen sieht man sehr oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Nicht nur für einen Lektor, auch für so ziemlich jeden Leser. Du musst an Anfang irgendetwas bringen, was Spannung erzeugt und damit zum Weiterlesen animiert. Das braucht keine blutige Action oder wilde Verfolgungsjagd zu sein, aber am Anfang eines Romans möchte so ziemlich jeder Leser sehen, dass da etwas Spannendes/Interessantes/Geheimnisvolles auf ihn zukommt. Was das ist, braucht noch nicht verraten oder erklärt zu werden, Andeutungen reichen.
Wenn die aber fehlen, sagt man sich in diesem Fall, irgendein Bernward Hallberg ist aus irgendwelchen Gründen gerade auf dem Sprung nach wohin auch immer. Schön, und warum sollte mich das interessieren?

Dabei ist der allererste Absatz mit der Münze sehr gut als Einstieg. Direkt danach sollte aber schon irgendeine Kleinigkeit kommen, die eine spannende Story verspricht. Eine Andeutung reicht da, die einen wie auch immer gearteten Konflikt ahnen lässt.
Davon dann innerhalb des Prologs noch eine oder auch zwei, die Fragen aufwerfen - und schon hast du einen interessanten Beginn.
Ich kann ja mal drüber nachdenken, ob mir dazu etwas Passendes einfällt, für heute hab ich echt genug gelabert ;).

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Nun bin ich gespannt, ob ich alle Ratschläge berückstigt und das beste daraus gemacht habe. Ich habe die dynamische Anfangsszene geopfert (verschoben) und hoffe, dass der schnelle Zoom in die Schenke das einigermaßen kompensiert. Wird jetzt in der Anfangsszene deutlich, dass sich da was zusammenbraut?

1.1. Der Aufbruch

Westerburg, erster Wonnemond 520

Träge floss die Granitz und die Morgensonne funkelte auf dem windbestrichenen Wasser. Vor über hundert Jahren, als es hier noch keine Brücke gab, gehörte das Land auf beiden Seiten des Flusses niemandem. Erst die Brücke hat es geteilt: seitdem liegt drüben Elemara, und am diesseitigen Ufer liegt der äußerst westliche Rand des Adalmannenreichs. Eines Tages zogen viele Soldaten über die Brücke, und ein paar Jahre später kehrten einige von ihnen zurück – aber es waren nur noch sehr wenige. Seitdem hatte die Brücke die Aufgabe verloren, Menschen über den Fluss zu führen.

Ganz nah bei der Brücke, neben dem Brückentor, das ins Innere der Grenzstadt führte, stand eine Schenke. Der Platz davor war bis auf ein paar Pferde und einen kleinen Reisewagen leer, aber durch das Fenster drang das Klappern von Krügen und drinnen flogen erregte Worte von Tisch zu Tisch. Dort hatte gerade Bernward Hallberg eine kleine, aber schwere Münze auf den Tresen gelegt. Der Schankwirt nahm sie misstrauisch auf und drehte sie prüfend zwischen den Fingern. Auf ihrer Vorderseite waren fremdartige Zeichen eingeprägt, die Rückseite zierte ein Wolfskopf. Vorsichtig nahm er sie zwischen die Zähne und biss hinein. Das Metall war weich, sein Eckzahn hinterließ eine kleine Delle – kein Zweifel, es war Gold. Auch wenn er die Herkunft der Münze nicht kannte, es reichte für die Runde, die Bernward Hallberg soeben für das gesamte Gasthaus ausgegeben hatte.

„Der verwegene Hallberg – er lebe hoch!“, rief weiter hinten in der Schenke einer der Gäste, und andere stimmten ein und trommelten mit ihren Krügen auf die Tische. Bernward lehnte sich zurück. Genau so hatte er sich seinen Aufbruch vorgestellt. Sobald das Bier floss, kamen auch die Gespräche in Gang.

Am Nachbartisch stießen sie jetzt nicht auf ihn, sondern auf alle Hallbergs an, die jemals Ruhm erlangt hatten. „Na, so viel könnt ihr gar nicht trinken, wie man da anstoßen müsste“, rief Bernward ihnen zu und lachte. Zustimmendes Johlen war die Antwort.

Bierdunst und Pfeifenrauch füllte den Raum. Es schien, als hätte halb Westerburg sich in der Schenke versammelt, um seinen Aufbruch zu erleben. Kein Wunder. Viel bekamen die Leute in ihrer kleinen Grenzstadt nicht zu sehen. Ihr Blick reichte kaum über die Stadtmauern hinaus. Und über die Granitz nach Elemara zu gehen, daran wagten sie seit dem Wüstenkrieg nicht einmal mehr zu denken.

Er stützte die Knöchel seiner Fäuste auf den Tisch und erhob sich, und zusammen mit ihm standen drei weitere Männer auf. Auch die restlichen Gäste stellten ihre Krüge ab und taten es ihnen gleich. Alles drängte nach draußen, dem berühmten Abenteurer hinterher.

Seine beiden älteren Kameraden machten sich an den Sattelgurten der wartenden Pferde zu schaffen, der jüngste der drei aber eilte noch einmal zu seiner Mutter, die verloren in der Menge wartete. Die arme, ahnungsvolle Frau. Mit seinem blonden Lockenschopf und jugendlicher Begeisterung allein dürfte ihr Sohn da drüben nicht lange überleben. Vielleicht hätte er ihn doch nicht mitnehmen sollen. Er brauchte Männer, keine Knaben.

Mit einem Seufzer schwang sich Bernward auf sein Pferd und fing geschickt die Lanze auf, die ihm einer der Begleiter hinaufwarf. Manch einer der Umstehenden ballte seine Hand zur Faust, als gelte es auch für ihn, eine Waffe zu packen. „Schaut ihn euch an!“, erklang eine junge Frauenstimme. „Im eigenen Bett wird er aber nicht sterben“, entgegnete ihr eine ältere. Aus den Augenwinkeln sah Bernward zufrieden, wie sich seine beiden Kampfgefährten stumm zunickten. So sollte es sein: ein echter Hallberg starb nicht in seinem Bett.

Dann schwangen sich die zwei sich auf ihre Pferde. Der blonde Jüngling nahm auf dem Kutschbock Platz, schnalzte mit den Zügeln und wendete den Wagen in engem Bogen zur Brücke über die Granitz hin, hinter der sich weit und sanft eine wellige Graslandschaft öffnete. Auch Bernward wendete sein Pferd und ritt im Schritt an den versammelten Westerburgern vorbei, da griff eine Hand aus der Menge nach seinem Zügel und er hielt an.

„Mit Helden wie dir fängt es an, Herr Bernward“, sagte ein alter, müde wirkender Mann. „Und mit solchen wie mir endet es dann meist.“ Mit diesen Worten drehte er Bernward seine rechte Seite zu – und streckte ihm seinen abgehauenen Armstumpf entgegen.

„Lass gut sein, alter Bogenmacher!“, rief der blonde Jüngling vom Kutschbock herunter. „Der Fürst schickt uns, um Karten zu zeichnen, nicht um in den Krieg zu ziehen!“

Der Alte ließ den Zügel los und winkte mit seiner verbliebenen Hand ab. „Na, mir drückt jedenfalls keiner mehr ein Schwert in die Rechte, wenn es dann wieder losgeht.“

„Er war im Wüstenkrieg dabei“, erklärte der Junge, halb stolz, halb entschuldigend. „Ich kenne alle hier in Westerburg!“

Bernward nickte ihm freundlich zu. Die Jugend und ihre hohen Ideale! Er als ein Hallberg aber wusste genau, dass Kriege stets auf einer Landkarte zu beginnen pflegen.

Von der Schenke bis zur Brücke war es nicht weit. Die Bürger folgten Bernwards Trupp, doch am ersten Brückenpfosten blieben sie stehen wie vor einer unsichtbaren Mauer. Bernward blickte noch einmal zurück zur Stadt und wies dabei mit der Lanze nach Westen. Dann gab er dem Pferd einen leichten Schenkeldruck. Bald würde man wissen, ob drüben die Sprache der Verhandlung oder die Sprache des Schwertes besser verstanden wurde. Die Hufeisen dröhnten dumpf auf dem Holz der Brücke, danach ratterten die Wagenräder den Pferden hinterher. Die Sonne stand noch nicht ganz im Mittag, und so eilten die Schatten der Reiter ihnen voraus in das Land Elemara.

Es war schon Nachmittag, als Bernward eine erste Rast einlegte. Bisher waren sie niemandem begegnet. Das Land schien leer. Während die Männer die Pferde an einem kleinen Bach saufen ließen und ihnen Hafer gaben, hatte er einen Hügel erklommen und lies den Blick über das blaugrüne Gras schweifen, das über den Hügeln bis zum Horizont ausgebreitet lag wie ein wehendes Tuch. Hinter sich konnte er noch die Turmspitzen von Westerburg erkennen. Bis zu diesem Hügel reichte die Karte, die ihm Fürst Odalrik unter dem Siegel der Verschwiegenheit in die Hand gedrückt hatte. Von nun an würde er Wegen folgen, die nicht darauf verzeichnet waren.

In der Karte waren an mehreren Stellen kleine Rechtecke eingezeichnet. Dort sollten einmal Kastelle errichtet werden, um das ‚Vorfeld von Westerburg abzusichern’, wie man es bei Hofe ausgedrückt hatte. Bernward musste lächeln. Der Fürst und seine Provinzstrategen! Es war kein allzu großes Gebiet, das er sich da unter den Nagel reißen wollte, doch immerhin so groß, dass es nicht ohne Wissen und Billigung des Kaisers geschehen konnte.

Das war der zweite Teil seines Auftrags: Briefe. So oft wie möglich sollte er Fürst Odalrik berichten, von der Gefahr, die aus Elemara drohte genauso, wie von den fruchtbaren Ebenen und Bodenschätzen, die dort warteten. Bernward faltete die Karte zusammen und verscheuchte eine Pferdebremse auf seinem Unterarm. Für besonders klug hielt er den Plan des Fürsten nicht, dem Kaiser den Mund ein wenig wässrig zu machen. Der Hunger kam bekanntlich erst richtig mit dem Essen. Ein Kaiser konnte gewiss einen sehr gesunden Appetit entwickeln. Und ihm standen weit mehr Mittel zur Verfügung, seinen Hunger zu stillen, als sich der Fürst einer kleinen Grenzstadt ausmalen konnte.

Er blickte den Hügel hinunter. Auf der wegabgewandten Seite war die Grasnarbe in scharfer Kante abgerissen, und eine Geröllhalde erstreckte sich bis in die Senke. Er bückte sich, hob einen faustgroßen Kiesel auf und betrachtete ihn nachdenklich. Nein, den Kaiser hätte Fürst Odalrik besser nicht über seine Expansionspläne in Kenntnis setzen sollen.

Mit einem Schulterzucken ließ er den Stein wieder fallen. Der Stein hüpfte über die Kante und schlug mit einem leisen Klacken im Geröll auf. Nein, dieses Fürstlein ahnte nicht im Geringsten, was es da lostrat. Bernward drehte sich um und stieg hinunter zu seinen Kameraden. Und während er mit sicheren Schritten den Hügel hinabging, kam auf der anderen Seite ein zweiter Stein ins Rutschen, dann ein dritter, und mit einem Mal rollte eine ganze Gerölllawine ins Tal.

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Vergiss die KI! Das hier ist ohne Zweifel klassische Fantasy.

Mir persönlich hat es ohne den Prolog besser gefallen.

Du springst im Prolog zwischen den Zeiten: Träge floss … Morgensonne funkelte … die Brücke hat es geteilt: seitdem liegt … Eines Tages zogen | Da komme ich ins stolpern.

Vielleicht bin ich da zu festgefahren und es ist total clever, aber Brücken verbinden doch, sie trennen nicht. Das kriege ich schon rein bildlich nicht zusammen. (Aber mich stört es auch wenn jemand die Kaffeetassen falsch in den Schrank stellt.)

Soldaten sind doch in der Regel jemanden unterstellt, also wer hat sie geschickt? Und warum? Oder hatten die einfach einen Teambuilding-Wandertag? :wink:
Ich gehe mal davon aus, das die Soldaten in den Wüstenkrieg gezogen sind.

Warum? Ich meine, es ist ja nicht so, das direkt auf der anderen Seite ein feindliches Heerlager campiert und jeden erschlägt, der einen Fuß auf die andere Flussseite setzt. Mir ist die Bedrohungslage nicht klar, insbesondere dann nicht, wenn der darauffolgende Text beschreibt, wie die Abenteurer ohne Widerstand hinübergehen und ein Stück durch das “Feindesland” reisen.

Ich empfinde es immer noch als guten Auftakt, aber ohne konkrete Bedrohungslage. Die Szene mit dem abrutschenden Geröllhang scheint das ja ändern zu wollen. Ich bin immer noch gespannt wie es weitergeht.

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An den Stellen, die mir (!) aufgefallen waren, liest es sich nun besser, finde ich.

Allerdings gefällt mir der neue Anfang gar nicht, das ist Infodump, der vielleicht später eingebaut werden sollte - wie du selbst sagst, war die kleine Münz-Szene zumindest dynamisch. Sie transportiert bereits ein Setting (‘mittelalterlich’, kleine Stadt) und eine Stimmung (abgeschieden, nicht weltoffen, misstrauisch-ängstlich gegen Fremdes)

Dieser Satz enthält eigentlich alles, was jetzt am Anfang, vor der Münz-Szene steht.

Die Münz-Szene, wenn sie denn wieder an den Anfang kommt, könnte dann vllt. etwas mehr Dynamik bekommen, indem du einen Mini-Dialog integrierst. Der Wirt fragt, was das für eine Münze sein soll, Bernward sagt nur leichthin, dass die von weither kommt. Oder so ähnlich. Reinbeißen kann er dann ja trotzdem.

Wenn er abgehauen ist, ist er weg - weglassen würde ich daher dieses Adjektiv

… und ließ den Blick schweifen

Hier stimmt die Reihenfolge nicht so recht - die Satzstellung suggeriert, dass davon vorher schon die Rede war, vllt. umstellen: Briefe, das war der zweite Teil seines Auftrags.

Nebenbei, wie diese Briefe dann den Fürsten erreichen, ist ein interessantes logistisches Rätsel. Wenn es keinen Austausch, keinen Handel zwischen den Ländern gibt, das Land leer scheint und er ja nur wenige Begleiter hat, wie erreichen die Briefe den Fürsten?

Dass sich da etwas zusammenbrauen könnte … könnte man aus dem achtlos weggeworfenen Kiesel, der einen Erdrutsch auslöst, herauslesen. Auch aus dem Gedanken, dass Kriege immer auf Landkarten beginnen, zumal, wenn schon geplante Kastelle eingezeichnet sind …

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Ich habe jetzt sowohl die erste als auch die zweite Version durchgelesen und habe mich von dem ausführlichen Prolog gerne in die Geschichte ziehen lassen. Allerdings fehlt, wie andere schon angemerkt haben, die Dynamik und die Spannung. Das Intro mit der rätselhaften Münze hätte das Potenzial, schon sehr früh Fragen aufzuwerfen, deren Beantwortung die Leser brennend erwarten.

Den Kommentaren von @Yoro, @IMP und @Alex_Sassland bzgl. stilistischer Aspekte stimme ich zu, aber das sind schon Feinheiten, auf die spätestens Dein Lektor eingehen würde. Persönlich würde ich noch sparsamer mit Adjektiven (und Adverbien) umgehen. Sie sind im Text wie das Salz in der Suppe: zu viel davon und es schmeckt … versalzen. Lass doch einfach einmal konsequent alle Adjektive weg und schau, wie sich dann der Text liest. Wo Du das Gefühl hast, hier fehlt etwas, solltest Du auch eine entsprechende Beschreibung einfügen, ansonsten kannst Du das Adjektiv/Adverb auch ruhig weglassen.

Was das Genre anbetrifft, so hatte ich erst das Gefühl, einen historischen Roman zu lesen; erst die Namen deuten auf Fantasy hin. Leider bin ich kein Fan von Fantasy, ansonsten hätten mich die ersten Seiten schon zum Weiterlesen „angezupft“. Ansonsten meine Empfehlung: Weitermachen. Dein Text klingt vielversprechend!

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Aber da es ja Fantasy ist gibt es da ja einige Möglichkeiten. Ich würde auf: Briefdrachen, fliegendes Papier, magische Portale … oder einfach die guten alten Post-Vögel zurückgreifen.

https://group.dhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2026/ein-schwamm-als-briefmarke.html

Aber nur mit passender Briefmarke. :slight_smile:

@Alex_Sassland

@Jean

Achtung!!! Es ist zwar eine fantastische Welt, aber daraus zieht die Geschichte überhaupt nicht ihren Charakter. Das ist sehr, sehr wichitg. Im Expose würde ich das Wort Fantasy gar nicht erwähnen.

Den Grund konnte man hier in der Dynamik-Diskussion sehen: die meisten lesen “Mittelalter” und “Speer”, erwarten dann ein Fantasy Setting und entsprechende Dynamik. Ich bin da wirklich in eine Falle getappt. Leider kann ich hier nicht den ganzen Roman posten, um das verständlicher zu machen, aber es geht insgesamt sehr getragen zu, die Dinge entwickeln sich langsam, vieles ist verflochten und wird erst allmählich klarer. Es kommt in der ersten Hälfte kein einziges Fantasiewesen oder Magie vor, es ist lediglich ganz am Rande die Rede davon. Der Freiläufer macht sich Gedanken um Freiheit, es geht um Selbstwirksamkeit. Erst ab der Mitte gewinnt der Roman an Dynamik, die sich dann (hoffentlich) umso mehr auszahlt. Aber ich muss die bittere Erfahrung machen, dass heute kaum ein Leser bereit ist, 100 Seiten zu lesen, bevor es “los geht”.

Zu den Briefen: Dazu habe ich mir auch Gedanken gemacht, denn dieses Problem gab es auch im frühen Mittelalter. Bin kein Experte, aber das wird wohl von Fall zu Fall gelöst. Später in der Geschichte gerät genau so ein nicht beförderter Brief dem Freiläufer in die Hände und er erfährt wichtige Dinge darin. Im Brief selbst steht, dass Bernward hofft, in einer bestimmten Stadt einen geeigneten Boten zu finden. Der Leser kann folgern, dass es in diesem Fall nicht geklappt hat. Einige Briefe sind aber auch angekommen, also hat es manchmal funktioniert. Ich glaube, diese Frage kann man unter dem Motto hinnehmen: irgendwie ging es halt, zumindest manchmal.

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Ich brauche keine Fantasykreaturen um ein Buch als Fantasy einzuordnen und ohne zu wissen, was es mit dem Geröll auf sich hat, ist das für mich schon das Gegenteil von gemächlich.
Auch in dem Zeitsprung passiert doch ganz viel. Geheimnisse aufspüren ist ja auch “Action”.
Ich habe mehr als ein Fantasybuch gelesen, in dem die Spannung und Dynamik allein aus dem Beziehungsmiteinander der Charaktere ging und in deren Welten lediglich eine fiktive Welt den Begriff Fantasy definiert haben.
Außerdem ist es doch gut, wenn es die Leser so klar spaltet, dann triffst du deine Zielgruppe.

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Danke für die ermutigenden Worte. Hoffentlich sieht es die Agentur auch so :joy:

Ich kenne die Gepflogenheiten in diesem Forum nicht und weiß nicht, ob ich über die Stränge schlage, wenn ich jetzt noch einmal ein weiteres Kapoitelchen poste. Daraus wird das System der Verschränkung deutlicher, also: dass ich ersuche, die Einschübe miteinander zu verflechten, um die Zeitsprünge zu kompsnieren, die ich dem Leser zumute.

Falls es sich jemand antut und es liest: Hier werden schon wieder neue Personen vorgestellt, Marwig und Hengist. Beides Nebenfiguren, die aber später nochmal aufgegriffen werden. Und dann noch der Jäger Aegil, der später auch noch einmal in einer Nebenrolle auftaucht. Die KI hat mich gewarnt, dass in kurzer Zeit zu viele Personen zu intensiv eingeführt werden. Was meint ihr?

Sieben Monate zuvor:

Westerburg, im späten Ernting 559

Endlich, endlich durfte er mitreiten! Marwig hörte sein Herz im Takt der Hufe schlagen und seine Fäuste hielten die Zügel gepackt, als wollte er sie nie wieder loslassen. Ganz vorne ritt Hengist, ihr Hauptmann, mit einer Karte des berühmten Bernward Hallberg im Gepäck, dahinter eine Handvoll fürstlicher Späher, und als Nachhut er.

Es war noch mitten in der Nacht, als sie die Burg verließen, die Hufe der Pferde in Lappen gewickelt. Ihre Waffen, die Kochtöpfe und sämtliches Metallgerät hatten sie mit Stoff umkleidet und ihre Steigbügel waren aus Leder. Auch hatte der Hauptmann allen eingeschärft, keinesfalls laut zu sprechen oder zu rufen, und Marwig hatte genickt und die Lippen fest aufeinandergepresst. Kurz vor dem Aufsitzen hatten sie noch schweigend die Lederpanzer umgeschnallt, um sich gegen Pfeile aus einem Hinterhalt zu wappnen.

So ritten sie leise an jenem Busch nahe der Granitzbrücke vorbei, in dem er schon als kleiner Junge stundenlang auf die Reiter des Fürsten gelauert hatte, heimlich und bei Nacht. Schon damals hatte er begriffen, dass es Späher waren, die heimlich nach Elemara vordrangen, und schon damals hatte er mit ihnen reiten wollen. Er hatte mehr Zeit seines Lebens in Pferdeställen verbracht als im Haus seiner Eltern und hatte erst die Jahre, dann die Monate und zuletzt die Tage gezählt, bis er bei den fürstlichen Hengist-Reitern anheuern durfte. Und jetzt war es soweit.

Marwig starrte angestrengt in die Dunkelheit. Sie folgten dem Weg, den vor Jahren schon Bernward Hallberg genommen hatte. Sie folgten seinem Vorbild. Und sie folgten seiner Karte. Doch irgendwann waren die Nachrichten von ihm ausgeblieben, und was aus ihm geworden war, das wusste niemand so genau – bis heute war er nicht zurückgekehrt. Hengist dagegen und seine Mannen kamen jedes Mal zurück, und immer brachten sie neue Aufzeichnungen mit, neues Wissen über dieses fremde Land, das da so schön und offen lag und anscheinend gar nicht bewohnt war und niemandem gehörte, so dass man es sich nur zu nehmen brauchte.

Freilich lag es jenseits des Grenzflusses und war für den Fürsten verbotenes Land, aber genau deshalb führten sie schließlich keine Abzeichen mit, keine Wappen und schon gar keine Fahnen. „Höfisches Palaver“, hatte Hengist gesagt und ausgespuckt. „Verbotenes Land hin oder her, wer den Mut und die Macht hat, hineinzugehen, der geht eben hinein und schaut, ob es sich lohnt, zu bleiben.“

Hengist hatte diesen Mut, da gab es keine Zweifel, und er, Marwig, würde es immer mit seinem Hauptmann halten.

Sehr bald kamen sie an der schmalen Abzweigung vorbei, die nach Norden in den Dornenwald führte, der von Westerburg aus gut sichtbar am anderen Ufer der Granitz lag. Marwigs scharfes Auge bemerkte einige Steinwürfe den Weg hinein eine Gestalt, die mit einem Bogen bewaffnet war und sich eilig hinter einem Holunderbusch verborgen hatte. Rasch ritt er vor auf Höhe seines Hauptmanns und erstattete ihm Meldung. Der blickte gar nicht hin. „Das ist der Jäger Aegil, der ist einer der Wenigen, die sich über die Granitz wagen. Er hat hier heute Nacht für den Fürsten gejagt, hat sicher ein Reh dabei oder ein paar Hasen. Behalt es für dich, Marwig, hörst du? Er weiß nicht, dass ich es weiß.“

Ein schlauer Fuchs, dieser Hengist, der war allen einen Sprung voraus. Mit so einem zu reiten war eine Freude!

Marwig ließ sich wieder in die Nachhut zurückfallen. Regelmäßig warf er einen Blick über die Schulter. Westerburg verschwand hinter dem Horizont, als sie in eine Senke ritten und der Himmel im Osten färbte sich langsam heller. Mit dem erwachenden Tag wurde vor ihnen die weite Steppe sichtbar. Der rötliche Schimmer der Morgensonne lag über dem hohen Gras, das die wellige Landschaft bis zum Horizont bedeckte. Ein leichter Wind trieb ihnen helle und dunkle Bänder über die wogende Fläche entgegen, ihm war, als läge er auf dem Rücken und blickte in die ziehenden Wolken.

Weit vorne hob Hengist die Hand. Hatte er etwas gesehen? Die Reiter zogen die Zügel an. Gute Pferde, kein verräterisches Schnauben oder Wiehern war zu hören, nur das Reiben der Grashalme im Wind. Hengist wendete sein Ross nach Süden. Von nun an ging es durch wegloses Grasland.

Langsam erwachte die gräserne Weite zum Leben, mit der zunehmenden Wärme begannen die Grillen zu zirpen, ein endloses Sirren, das auf und abschwoll und über ihnen lag wie ein leinenes Tuch. Vor Hengist flatterte plötzlich eine erschreckte Lärche auf, und alle Reiterhände zuckten kurz zu den Schwertgriffen.

Noch stand die Sonne nicht im Zenit, doch Ross und Reiter hatten zu schwitzen begonnen und Flocken flogen von den Mäulern der Pferde. Sie ritten auf ein Wäldchen zu, das wie eine dunkle Insel über dem blaugrünen Gräsermeer vor ihnen lag. In weitem Bogen schwenkte Hengist nach links, und alle blickten sehr aufmerksam hinüber zum dunklen Laub des Waldrands, auf das die helle Sonne schien. Marwig überlies den Weg nun ganz dem Pferd. Die Sonne war auf ihrer Seite, und falls dort zwischen den Büschen ein paar Bogenschützen lauerten, so mussten sie direkt ins gleißende Licht blicken. Hengist wusste, wie man sich im Feindesland bewegt.

Doch es kamen keine Pfeile. Da hielt Hengist sein Pferd an und gab mit der Hand ein paar Zeichen. Die Reiter strebten nach links und rechts auseinander, um sich dann aus verschiedenen Richtungen dem Wäldchen anzunähern. Als Marwig eintraf, war der Rastplatz bereits gesichert. Fast fröstelte ihn, so kühl war die Luft hier. Er schloss für einen Augenblick die Augen und atmete tief ein. Wie frei er sich in diesem Augenblick fühlte!

Der Hauptmann stand am Südrand des Wäldchens und blickte hinab ins Tal auf die andere Seite. Auf halber Strecke zum Horizont lag eine große, spiegelnde Wasserfläche.

„Das könnte etwas sein“, murmelte Hengist. „Wenn es nicht zu sumpfig ist. Wir werden sehen. Wir machen noch eine kurze Rast, dann geht es weiter zum See.” Er streckte sich für eine kurze Pause im Schatten der Bäume auf einer moosigen Stelle aus. “Ich denke, ich werde ihn Hengist-See nennen!“

Da rief ihn einer der Reiter und zeigte auf den Boden. Marwig war erstaunt, wie schnell der sonst so ruhige Hengist bei der Stelle war. Auch Marwig kam hinzu. Dort war auf dem erdigen Waldboden eine ganz kahle Stelle, und ein, zwei Pflänzchen, die dort wuchsen, hatten schwarz gefärbte Blätter. Hengist ging in die Knie und begann, die Erde mit den Händen beiseite zu schieben. Marwig griff nach einem herunterhängenden Ast, den er für seinen Hauptmann abbrechen wollte. Der blickte ruckartig zu ihm hinüber.

„Kssss, Marwig! Finger weg! Kein grünes Holz abbrechen – das gibt Spuren!“

Ein anderer Reiter reichte Hengist ein Beil, und mit der breiten Klinge scharrte der den Boden beiseite. Ein paar Finger hoch trug er die trockene Erde ab, darunter kam ein Aschehaufen zum Vorschein. Er hielt seine Hand darüber.

„Es ist noch warm.“ Er blickte sich unruhig um.

„Ein Jäger vielleicht?“ fragte Marwig.

Hengist schwieg eine Weile.

„Wer auch immer das war – die wollten nicht, dass jemand sie entdeckt. Das war kein Jäger … das waren Späher. Von denen.“

Er schob die Erde vorsichtig zurück und verstrich sie sorgfältig. Dann erhob er sich und straffte seine Schultern. Alle gingen zu den Pferden.

„Nein. Geht rundum auf Spähposten. Wir bleiben hier, bis es dämmrig wird. Jetzt ist es draußen zu gefährlich.“

Gefällt mir, besonders die Details sind überzeugend geschrieben. Wie die Sache mit dem Feuer oder das eingewickelte Geschirr.

Ich finde es schwierig zu beurteilen ob hier noch eine zweite Sichtweise nötig ist. Werden denn die anderen beiden fortgesetzt?
Da sich diese Szene auf die erste bezieht wäre eine Möglichkeit den Gerber nach hinten zu verschieben. Die Szene mit ihm ist ja auch ein Blick in die Zukunft und zeigt, das die geplanten Befestigungen (also die Rechtecke auf der Karte) umgesetzt wurden.
In der zweiten Szene wird Bernward erwähnt und die Gruppe scheint auf seinen Spuren zu wandeln, also viel mehr Bezug auf den Einstieg.

Eine Frage aus persönlichem Interesse: Gibt es wirklich Steigbügel aus Leder, oder ist das eine literarische Freiheit? Soweit ich mich erinnere machen die Bügel keinen Lärm, schließlich sollten die nicht herumschlockern.

Moin!

Ich glaube schon, mal Steigbügel aus Leder gesehen zu haben, beim Westernreiten. Die aus Metall klappern natürlich nur, wenn sie gegen anderes Metell schlagen. Ehrlich gesagt bin ich nicht ganz so fein in die Details eingestiegen.

Die Verschränkungen werden erst nach einer Weile verständlich, Einschübe und Gegenwarts-Stream wechseln sich ja immer ab. In einer der nächsten Szenen trifft z.B. der Freiläufer Marwig, der ihm ein lahmendes Pferd übergibt, damit er es zum Abdecker bringt. Marwig ist dabei in Begleitung eines Kameraden, und sie unterhalten sich nebenbei über den Fund der Feuerstelle …

Und ja: die Maßnahmen mit den Kastellen werden jetzt langsam umgesetzt, super, das scheine ich richtig vermittelt zu haben. Gegen Ende des Buches kommen dann erste Wägen, die Steine bringen und die ganze Maschinerie läuft dann erst so richtig an.

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