Brauchen Jugendromane Romance?

Mich würde interessieren, wie ihr das seht:

Brauchen Jugendromane für Teenager heutzutage eigentlich eine Romance-Handlung?

Mir wurde vor einigen Jahren von einer Schreibcoachin, die selbst Autorin ist und Kontakte zu Verlagen hatte, sinngemäß gesagt: „Die Teenies wollen das.“

Aber stimmt das tatsächlich? Und wenn ja: Was bedeutet „Romance“ in diesem Zusammenhang überhaupt?

Muss sich im Laufe eines Jugendromans eine richtige Liebesgeschichte entwickeln? Oder reicht es völlig, wenn eine Figur mal schwärmt, jemanden attraktiv findet oder sich eine mögliche Beziehung sehr langsam anbahnt und vielleicht erst in späteren Bänden eine größere Rolle spielt? Oder kann ein Jugendroman auch ganz ohne romantische Elemente funktionieren, ohne dass der Zielgruppe etwas fehlt?

Mich interessieren dabei sowohl eure Erfahrungen als Leser und Autoren als auch mögliche Unterschiede zwischen den Genres, etwa Fantasy, Science-Fiction, Thriller oder Abenteuer.

Besonders spannend fände ich außerdem Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Verlagen, Agenturen oder Lektoraten: Wurde euch dort schon einmal nahegelegt, mehr Romance in einen Jugendroman einzubauen?

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Ich denke, dass es da Unterschiede gibt. Schreibst du einen Krimi für Jugendliche, benötigst du meines Erachtens nach keine Romanze, wenn du keine schreiben willst. Da reicht vielleicht eine wirklich dicke Freundschaft und vielleicht Schwärmerei. Auch bei einem Drama kommt es darauf an – ist aber nur meine Meinung.Ich denke schon, dass viele junge Mädchen das ganz nett finden. Aber das bezieht sich häufig auf den Jugendfantasy-Bereich oder eben auf Pferderomane usw.

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Moin,

ich denke eher nicht oder wenig.

Überlege dir, wie sich Jugendliche im dem Alter deiner Protagonisten im realen Leben verhalten und nimm das als Maßstab.

In der Welt hatte ich mal einen Artikel gelesen, dass Jugendliche immer später anfangen, sich für Romance / Beziehungen zu interessieren.

Ich selbst bin auch nicht so der Romance-Fan in Jugendbüchern, war ich auch nie, selbst nicht in meiner Jugend.
Aber wenn ich in der Bibliothek Fantasy-Bücher ausleihe und lese, scheint immer irgendwie Romance reingequetscht worden zu sein, auch wenn das gar nicht so richtig passt.
Deshalb dachte ich, das müsste so sein.
Aber vielleicht würden manche Leser der Zielgruppe auch denken, endlich mal ein Buch, das nicht sofort die Hormone über den Figuren ausschüttet.

In meiner Fantasy-Reihe wird es schon Romance geben, aber eben nicht sofort. Nicht gleich in Band 1. Das wird sich erst langsam aufbauen.

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Das ist doch ausreichend….. In welchem Altersbereich siedelst du dein Buch an?

Ab 13 Jahren

In diesem Punkt unterscheidet sich Jugendliteratur vermutlich kaum von Romanen für erwachsene Leser. Nur der Stil, die Sprache und die Probleme in den Interaktionen sind unterschiedlich. Es ist eher eine Frage des Genres innerhalb der Altersgruppen. Es gibt Teenies, die nur Romance wollen (heute in nahezu allen Spielarten) und andere, die Suspense suchen. Mich hätte man als Jugendliche mit reiner Romance einmal um den Äquator jagen können, und auch heute als Oldie komme ich zwar nicht so weit, aber Romanzen kann ich nur in sehr, sehr geringer Dosis und auch dann nur in unaufdringlicher, natürlicher, lebensnaher Form ertragen.

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Ich denke, es macht einen immensen Unterschied, ob es sich bei den Teenagern um Mädchen oder Jungen handelt.

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Gehen wir vom schlimmsten Fall aus: Mädchen! :rofl::rofl::rofl:

Meine Hauptfigur ist männlich. Also könnte es sich auch in erster Linie an Jungen richten.
Aber die lesen ja nicht, sagt man …
Egal, ich werde jedenfalls nicht künstlich Romance unterbringen.
Dann müsste ich es schon von Anfang an darauf anlegen. Aber ich glaube, das ist nicht mein Genre.

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Hmm … nein Jugendromane „brauchen“ keine Romanze, aber schaden tut sie auch nicht. Als ich damals unter 15 Jahre alt war, war ich unter anderem großer Fan des Animes „Robin Hood“

Dort ging es vor allem um grundlegende Werte: „Gut“, „Böse“, „Freundschaft“, „Zusammenhalt“ und ein „kleines bisschen Mystik“ (der weiße Hirsch) und etwas Romanze. Diese war sehr zurückhaltend gestaltet (oder?) und trotzdem stark genug, dass sie einem in Erinnerung blieb. Auch die negativen Ausprägungen der Liebe (Bessessenheit durch Ritter Gilbert) wurden angedeutet.

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Ist zwar schon etwas her, aber viele Bücher habe ich noch in meinem Regal stehen. Als Teenager habe ich Romance nicht mehr gebraucht als heute. Viele meiner Bücher kamen schon damals aus der Abteilung für Erwachsene und damit war ich definitiv nicht allein. Die meisten meiner Freundinnen und Freunde, die gerne lasen, haben neben Jugendbüchern auch Bücher für Erwachsene gelesen. Die wenigsten davon übrigens gezielt Romance.

Teilweise habe ich damals nach härteren Thrillern gesucht, als ich sie mir heute kaufe. :joy:

Was mir wichtig war: das Buch sollte Spaß machen. Ich mochte es nicht, wenn mir zwanghaft etwas beigebracht werden sollte oder der Roman irgendeine Moral vermittelte, die sich beim Lesen teilweise regelrecht aufdrängte. Ich hätte da einige Beispiele aus der Schullektüre (damit meine ich nicht die ganzen Klassiker, aus denen man Historisches oder Allgemeinbildung lernt, sondern eher Bücher über Mobbing, Stalking, Drogen etc., gezielte Bücher zur Prävention und solches Zeug, das uns natürlich als Unterhaltungsliteratur verkauft wurde.).

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Ich glaube, sie brauchen es nicht. Eine Geschichte kann auch ohne Romance “rund “ sein. Es kommt wohl auf die Story/ deinen Plot an.

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Mein zweijähriger Sohn möchte sich zig Mal am Tag das gleiche Buch zum Thema Tiere oder Fahrzeuge anschauen. Und danach das nächste Tierbuch. Das trifft wohl auf die meisten Kleinkinder zu.

Deshalb steile These: ich glaube, bei Jugendlichen macht der Markt einen gewaltigen Denkfehler. Das sind keine groß gewachsenen Kinder. Teenager interessieren sich für sehr viel mehr als das, was sie selbst vielleicht gerade beschäftigt (Mobbing in der Schule, die erste große Liebe, Social Media usw.). Denke ich an mich selbst zurück (Gott, das klingt, als wäre ich 60), fällt mir auf, dass ich durchaus Genrevorlieben hatte. Ging Euch das nicht so?

Ich glaube, Jugendliche sind kognitiv so weit, dass man sie nicht alle in ein und dieselbe Kategorie stecken sollte.

Ohje, ich merke, ich klinke mich hier besser aus. Ich komme mit Verallgemeinerungen null klar und irgendwie macht es mich sogar wütend, dass das scheinbar auch von Profis so empfohlen wird.

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Ich würde noch weiter gehen, denn ich fürchte, die Verlagsvorgaben sind so, um eine Abhängigkeit bei der jungen, sensiblen Zielgruppe zu forcieren, die dann wie am Fließband bedient werden kann. Eine Marketingstrategie, die sich auch in anderen Bereichen, für andere Produkte bewährt hat. Sogar genrefremde Kost wird optisch (Cover) so gepimpt, dass sie unter falschem Label doch noch Leser findet. Es ist in meinen Augen nur schrecklich traurig, dass Literatur inzwischen werblich genauso nur noch als ‘Markt’ gehandelt wird, wie hippe Mode, Trendgetränke, angesagte Games o.ä..

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Ich habe als Jugendlicher ein Berg als SciFi und Fantasy Literatur verschlungen, die allesamt an Erwachsene gerichtet waren. Mein Vater hat mir immer Bücher empfohlen, denn der hat noch mehr gelesen als ich. Dabei war viel leichte Kost darunter, aber auch Bücher an die ich mich heute gerne noch erinnere, wie … Der Traumstein … von Jonathan Wylie, oder Töchter des Drachen / Thron der Libelle von W. Hohlbein.

Ich habe Serien auch abgebrochen, manchmal weil man an die Bücher nicht herankam (Shannara), manchmal weil ich sie nicht so gut fand. (Darkover), oder weil sie im Laufe der Serie immer seltsamer wurden (Chroniken der Unsterblichen, Enwor (beides W. Hohlbein))

Die Bücher, welche ich in der Schule lesen musste, fand ich wirklich schrecklich. Z.b „Rolltreppe Abwärts“ (geht um den Absturz eines Jungendlichen durch Diebstahl und Alkohol) perfekte Depressionsliteratur :smiley:

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Ich habe mir ehrlich den Kopf zerbrochen, was ich als Kind las und wie oft/ ob überhaupt es um Liebe dabei ging. Ich las im Grunde alles, was mir “vor die Flinte kam”. (Heimlich Agatha Christie von Omas Nachtschrank), Abenteuer, Freundschaft, auch damals schon Historisches, viel um den 2. Weltkrieg herum und gern SciFi (bei uns hieß das Utopisches). Und ja, Verliebtsein/ erste Liebe kam auch vor. Aber war für mich nie DAS Thema, sondern mehr als “Nebenschauplatz”.

Meine Tochter (19) liest gern Fantasy, Krimi - Romance nicht. Ich glaube, das ist einfach Geschmackssache und hat nicht unbedingt was mit dem Alter zu tun.

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Also bei meinen Büchern im Bereich Kinder- und Jugendliteratur (so ab ca. 12 Jahren) gibt es durchaus schon die ersten großen Gefühle. Das liegt daran, dass ich im echten Leben auch schon mit elf oder zwölf verliebt war. Aber ich erinnere mich gut an Szenen aus meiner Fantasie, die ich durchaus heute noch weiß. Zum Beispiel, dass sich Peter in Nicole verliebt hat, diese aber Axel liebt. Dieses Dreier-Konstrukt zieht sich auch durch mein aktuelles Schreibprojekt “Criminal Rebound”. Natürlich gibt es keine Romanze (Romance, wie das ja heutzutage heißt) wie man das in den neueren Büchern so sieht. Wenn dann nur ein Küsschen auf die Wange oder eine Umarmung, mehr ist da nicht drin. Ich bin absolut kein Fan von Romance oder Spice. Ich mags eher nostalgisch, so wie’s früher halt mal war an der Schule. Ohne großes Tamtam eben. Aber Konflikte gibt es einige, vor allem wenn die Charaktere so verschieden sind, in meinen Büchern.

Just my 2 Cents!

Gruß

Super Girl

PS: Ich bin daher der Meinung, dass Jugendromane keine explizite Romance braucht. Es geht auch nur mit Interessenskonflikten, finde ich!

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Dass man auf die Zuelgruppe eingeht, versteht sich, aber nicht um jeden Preis. Schreiben sollte Raum geben für das, was man ausdrücken möchte.

“Emma und Daniel" von Mats Dahl bsw. ist ein tiefgründiges Kinderbuch, das glaube ich deine Altersgruppe trifft.

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Es kommt auf das Genre, Subgenre und die Zielgruppe an, vor allem das Alter. Wenn du eine Romantasy schreibst, dann sagt schon das Subgenre an sich, dass Romance enthalten sein muss. Ob das jetzt eine Schwärmerei ist, die sich auch für 13jährige und sogar Jungs (können wir endlich mit dem ollen Geschlechterbashing aufhören? Auch Jungs lesen und ja, sogar Romance!) eignet oder aber unterschiedlichste Level von (körperlicher) Intimität mitliefert, bei der teilweise der Warnhinweis “bitte nicht unter 18 lesen” angebracht ist, liegt an der Zielgruppe.

Müssen muss man erstmal gar nichts. Nur, wenn du Romance vermarktest, sollte auch Romance drin sein. Wenn du “ohne Romance” zum Slogan machst, dann nimmt man dir übel, dass es enthalten ist.

Klar, Romance als Plotbestandteil ist das, was den Büchermarkt am meisten befeuert - aber es ist auch der kurzlebigste Markt schlechthin. Was heute noch gelesen wird, kann morgen schon komplett out sein. Nirgends sieht man das so stark wie bei Romance.

Und: Was Verlage wollen liegt auf der einen Seite am Verlagsprogramm, auf der anderen Seite aber auch an dem, was den Verlag am Leben hält.

Ich bin der Typ: Ich schreibe, was mir gefällt. In welche Kategorie das am Ende fällt, ist mir erstmal egal. Aber ich suche auch kein Zuhause bei einer Agentur oder einem Verlag, von daher bin ich, was das angeht, eh relativ unabhängig.

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Vielen Dank für eure Antworten und die unterschiedlichen Erfahrungen und Einschätzungen. :slightly_smiling_face:

Mir ging es bei der Frage vor allem darum, ob Romance bei aktuellen Jugendbüchern außerhalb von Romantasy von Verlagen oder Agenturen inzwischen häufig erwartet wird.

Bei meinem aktuellen Projekt werde ich davon allerdings nichts Grundsätzliches mehr abhängig machen. Die Hauptfigur, ihre Beziehungen und die über mehrere Bände geplante Entwicklung stehen schon sehr lange fest, und ich würde keine zusätzliche oder stärkere Liebesgeschichte einbauen, nur weil sie sich möglicherweise besser vermarkten ließe.

Bei einem neuen Projekt würde ich solche Überlegungen dagegen durchaus früher mit einbeziehen – nicht in dem Sinne, dass ich nach vermeintlichen Marktregeln schreibe, aber ich würde mich bewusster damit beschäftigen, welche Zielgruppe ich ansprechen möchte und welche Erwartungen es dort gibt.
Aber echte Romantasy, also Romance als Hauptthema ist nicht mein Genre.

Bei Harry Potter hat mir das gut gefallen: Die Romance ist langsam mit den Figuren mitgewachsen, ist aber nicht Hauptthema. So würde ich es auch machen.

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