Was den letzten Satz angeht, lieber Ho.Ro würde ich behaupten, dass in diesem Fall der Autor beim falschen Verlag ist oder hat nicht gelernt hat, „nein“ zu sagen. „Marktkonformes Massenprodukt“ ist ebenfalls einer dieser Begriffe, die am Thema vorbeiführen. Als Autor ist es mein ureigenes Interesse, dass ich meine Zielgruppe (= Markt) kenne, ihre Vorlieben respektiere und trotzdem versuche, sie mit einer möglichst neuen, kreativen Perspektive und/oder Setting zu fesseln.
Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: KI-Nutzung für Recherche ist (auch aus Sicht der allermeisten Verlage) okay, vorausgesetzt man hat die Ergebnisse sorgfältig verifiziert. Alles, was darüber hinausgeht, ist heikel. KI zur auch nur teilweisen Textgenerierung zu nutzen, ist ein no go und wird zunehmend auch in Verlagsverträgen ausgeschlossen.
Sehr gut!
Papier ist geduldig und In Verträge kann man vieles schreiben - wir überprüft man aber, in welchem Umfang ein Autor sich etwa zu Recherchezwecken der KI bedient hat? Und wie, ob und wie ein Autor KI-Auskünfte „verifiziert“ hat? Warum überhaupt, gerade im Bereich der Belletristik? Wo und mit was ich recherchiere, mit Reiseführern, Suchmaschinen - oder einer KI - das ist doch nebensächlich?
Ich habe den Thread eher so verstanden, dass es um die Frage der rechtlichen Urheberschaft geht, nicht um die moralische Bewertung der KI-Verwendung. Letztere muss jeder mit sich selbst aushandeln.
Stimmt auch wieder. Dazu kann man allerdings nur wenig sagen, weil - sofern ich es richtig verstanden habe - die Rechtslage in Gänze noch nicht eindeutig geklärt ist.
Hm… KI kann mindestens aus zwei Gründen, keine Urheberschaft beanspruchen: a) sie ist nicht rechtsfähig, b) sie hat alles selber abgeschrieben. Die, von denen die KI abgeschrieben hat, werden auch nie zum Zuge kommen, dazu ist es zu sehr durch den Wortwolf gedreht worden.
Bliebe die Möglichkeit, dass sich eine Verwertungsgesellschaft wie die VG Wort oder die Gema pauschal um die Rechte der Ursprungsautoren kümmert und dann mit der Gießkanne die „KI Coautor Tantiemen“ verteilt. Fair geht es dabei aber auch nicht zu.
Am Ende ist es eben doch eine moralische Frage.
sic, so sehe ich das auch. Daher: das muss jeder mit sich selbst aushandeln.
Ich nutze KI gerne und großzügig zu Recherchezwecken (Sag mir, welche männlichen Vornamen im Geburtsjahrgang 1940 besonders populär waren …) - wüsste auch nicht, warum ich das nicht tun sollte. Evtl. auch mal bei Fragen zu bestimmten Begrifflichkeiten usw. - als Sparringspartner zu Plot-Fragen bisher noch nicht, das wäre aber auch nicht unbedingt eine rote Linie für mich. Die KI „schreiben“ zu lassen, wäre für mich absurd - allerdings weiß ich, dass viele Verlage das heute schon so handhaben, dass viele Journalisten, gerade im Bereich des „Gebrauchsjournalismus“, ihre Beiträge KI-unterstützt generieren. Ein, zwei Generationen weiter wird es vermutlich völlig normal sein, dass der Mensch die KI nur noch „bedient“, dass auch komplette Romane von ihren Autoren „gepromptet“ werden.
Für mich eine scheußliche Vorstellung, aber ich fürchte, eine unaufenthaltsame Entwicklung.
Wer weiß, wohin die Reise geht - vielleicht entwickelt sich ja dank KI das Buch vom gedruckten Werk dereinst zur interaktiven Erlebniswelt, ich mag mir das gar nicht ausdenken.
Ich muss mich entschuldigen, Stephen King hat darüber mal geschrieben, mutzt aber keine Ghostwriter.
Ich hatte mich kurz vorher mit ihm beschäftig, meinte aber Tom Clancy. Verwechslung von mir…
Alles gut - kann passieren. Clancy wird ja seit seinem Tod fortgesetzt, meinst Du womöglich diese Nachfolger als „Ghostwriter“?
Dass gerade amerikanische Großschriftsteller ganze Teams von Mitarbeitern, Rechercheuren … beschäftigen, ist kein Geheimnis, James Patterson zum Beispiel steht ja quasi einer eigenen „Firma“ vor. Und holt sich als Co-Autoren schon mal ehemalige US-Präsidenten (Clinton) oder Country-Stars (Dolly Parton) an Bord (auch mit Liza Marklund hat er meiner Erinnerung nach schon ein Buch veröffentlicht). Das ist industrielles Schreiben. Durchaus ok für mich.
Ja, auch.
Aber auch vorher wurden schon Werke von Co-Autoren unter seinem Namen veröffentlicht.
Wie bereits gesagt: Welcher Tools man sich als Autor zur Recherche bedient, ist den Verlagen egal. Erst recht im Bereich der Belletristik. Wenn wie in meinem Fall Fakten eine wichtige Basis der Fiktion sind, setzt der Verlag voraus, dass die auch sorgfältig recherchiert und verifiziert wurden. Anfangs wurden sie sogar von meiner Lektorin nachrecherchiert. Mittlerweile verzichtet sie darauf, weil sie meine Arbeitsweise kennt.
Dass immer mehr Verlage in ihren Autorenverträgen die Verwendung von KI zur Textgenerierung verbieten, hat vermutlich damit zu tun, dass rein juristisch die Autorenschaft damit zumindest in Frage gestellt wäre. Ein Risiko, das kein Verlagsjustiziar eingehen möchte.
Aber zurück zum ursprünglichen Thema:
KI im Schreiben ist ein Zwiegespaltenes Thema.
Meiner Meinung nach - Recherche ja, bei Detailfragen nahezu unerlässlich.
Zur Inspiration, auch okay…
Aber als ernsthafter Schreiber, sollte man schon selber schreiben.
Ansonsten sollte man sich bei einem Werk nicht als Autor bezeichnen, sondern nur als: ‚nach einer Idee von…‘
Was die Rechtsfrage angeht, in den USA ist es schon vor Gerichten vorexerziert. In Deutschland wird es aber nicht andere werden.
Ich nehme mal Bilder als Beispiel.
Ich generierie ein Bild mit KI. In der AGB des KI-Unternehmens muss stehen, dass man es kommerziell nutzen kann (wie bei OpenAI).
Das heißt, ich kann es nutzen, aber es ist nicht mein geistiges Eigentum. Andere können es koperen und auch kommerziel nutzen.
Jetz bearbeite ich das Bild mit einem Programm (Gimp, Photoshop etc.). Dadurch wird das Bild mein geistiges Eigentum und ist geschützt. Ganz zu schweigen, wenn ich Schrift oder Logos hinzugebe,für die ich Lizenzen habe.
Das gleich gilt für Text. Mal einen Absatz hinzukopiern, den man gut findet, hebt nicht das Eigentum auf. Dazu müsste man alles aus der KI unbearbeitet kopieren und veröffentlichen.
Ein Markenlogos sollte man am besten registrieren lassen.
Im Zweifelsfall in allen Fällen Zwischenergebnisse aufbewahren.
Nein, siehe oben. Es sind die PR-Abteilungen der Verlage, die Angst vor einem Shitstorm haben. Man schaue die Debatte über den Harlequin Verlag an. Wenn eine Blase zu irgendeinem Thema mobilmacht, dann knicken Firmen schnell ein.
Wir haben es im Moment mit den Extremen zu tun. Auf der einen Seite übertreibt man, in dem man alle rausschmeißt und durch KI ersetzten will (Spoiler: Wird nicht klappen) auf der anderen Seite diejenigen, die KI als die Ausgeburt des Bösen sehen und sie aus der Welt schaffen wollen(Spoiler: Wird auch nicht klappen).
Diese Frage hat ganz sicher nicht den psychologischen Hintergrund, den du eventuell hinter meiner Fragestellung vermuten könntest. Andernfalls hätte ich stillschweigend diesen Weg gewählt. (So dumm bin ich nun doch wieder nicht.)
Diese Frage sollte eigentlich nur uns Schreibende anregen, einmal darüber nachzudenken, wo diese Grenze zukünftig für jeden von uns liegen sollte.
Denn allzu viele Jahre wird es wohl nicht mehr dauern, bis die KI ein gehobenes Schreibniveau erlangt haben wird. Und alle Autorinnen und Autoren werden sich selbst eine Grenze setzen müssen, um in ihrer Kunst unverfälscht zu bleiben und den möglichen KI-Verlockungen zu widerstehen.
Ob diese Gedanken lediglich reine Fantasie bleiben oder zur Realität werden, kann uns sicher nur die Zukunft offenbaren. Ww
Eigentlich sollte diese Frage nur ein Denkanstoß an uns alle sein. In meinen Gedanken habe ich zukünftige Gegebenheiten gesehen, in denen sicher nur meine Fantasie mit mir durchgegangen ist. Du kannst beruhigt bleiben. Ww
Was gibt es denn da zu widerstehen? Einfach zum Schreiben nicht nutzen. Fertig.
Ich verstehe dich, der richtige Umgang mit KI ist ein Lernprozess.
Am Anfang ist die neue Technologie aufregend und total witzig. Auf den social media Kanälen spülen tausende Videos auf, in denen vom schnellen Geld dank KI die Rede ist.
Nach einer ganzen Weile kommt die nüchterne Erkenntnis, dass das wahre Herz der Schriftstellerei nicht auf einem Server in Amerika liegt, sondern in der eigenen Brust schlägt und einen ganz individuellen Takt verfolgt.
Sowas nenn ich mal ein Wort zum Sonntag. Danke dafür!
Liebend gern
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