Da ist wieder der undurchsichtige Clown in mir. Ständig mischt er sich ein, drängt mir seine Gedanken auf. Er ist der schwierigste Teil in meinem Kopf. Durchtrieben, zänkisch, aber schlau. Wenn er einmal etwas am Haken hat, lässt er so schnell nicht mehr los. Er sucht nach Bestätigung seiner Voreingenommenheit. Nur selten kann ihn etwas überraschen.
Wenn er einen Verstoß entdeckt, schlägt er zu. Ein Verstoß wird von ihm selbst festgelegt und ist mit normalen Maßstäben nicht zu messen. Rücksichtlos schleicht er sich in das unwegsame Gelände eines Menschen. Während sein ahnungsloses Opfer sich noch in Sicherheit wiegt, überlegt der Clown schon wo dessen schmerzhafteste Stelle sein könnte. Behutsam tastet er sich tiefer und dreht seine verbalen Nettigkeiten mit der List eines Fuchses in dessen Fleisch. Entdeckt er dann in den Augen seines Gegenübers ein Unbehagen, zieht er an. Der eingepflanzte Dorn verhakt sich augenblicklich. Nun muss er gar nicht viel tun denn der Fisch hängt am Haken. Zappelt und windet sich und kommt nicht weg. Voll Hingabe genießt er diesen Moment der Entlarvung.
Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich auf eine gewisse Art und Weise diesen Typen in mir. Auch er ist ein Grenzgänger, so wie ich! Vielleicht ist er auch ich oder anders herum. Jedenfalls hört sich das alles viel düsterer an als es in Wirklichkeit ist. Es geht darum die Verlogenheit, doch vor allem die unglaubliche, selbstgefällige Ignoranz eines Mitläufers zu entlarven. Peng, da platzt sie die Blase der Oberflächlichkeit.
Wird er allerdings durchschaut oder ist sein Gegenüber raffinierter als gedacht, zieht der Clown seine Maske tiefer ins Gesicht. Mit diesem aufgesetzten Lachen wirkt er freundlich und harmlos. So treibt er es oftmals an die Spitze der Erträglichkeit. Ich weiß wovon ich spreche, schließlich sind er und ich immer auf der Suche nach einem ernst zu nehmenden Gegenüber.
Wann immer er die Gelegenheit hat, sucht er die Gesellschaft von Kindern. Er liebt sie, bei Kinderlachen fällt seine Maske. Sein Lachen ist dann echt und kommt von Herzen, unschuldig und rein. Kinder lieben ihn und ich liebe ihn dann auch.
Der Clown in mir ist besonders. Ohne Maske fühlt er sich zart und schutzlos an, einfühlsam, traurig und fast schon zerbrechlich.
Ach übrigens, es ist nicht nur der Clown, der mich umtreibt. Es gibt viele Facetten in mir. Wenn die Diskussionen in meinem Kopf beginnen, ist es oft zermürbend für mich, denn meist kommt nichts dabei heraus. Wenn mir das ganze Gezanke auf den Zeiger geht und ich es nicht mehr aushalte, raste ich auch mal aus.
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Ich glaube, du bist irgendwie mein Chef…
Gut beschrieben, feine Details, viele kleine Facetten.
Wenn ich der Clown wäre, würde ich weiter an mir arbeiten, um noch perfider zu werden.
Wenn der Clown mir begegnen würde, würde ich nur mit einen „Aha…“ antworten oder ihn ignorieren.
Nichts stört einen mehr als seine anscheinende Interessenlosigkeit erleben zu müssen, davon unbeeindruckt sein zu müssen.
Schreit man mich an, schweige ich, ignoriere ich, drehe mich um und gehe einfach.
Kaum jemand wird darauf reagieren.
Wenn dei Clown jedoch auf einen labileren Charakter stößt… Das könnte Horror werden…