Alles begann mit diesem Traum

Alles hat irgendwie einen Anfang und meiner war dieser Traum von vor 8 Monaten.
Und so ähnlich wird auch eine Szene in meinem Projekt sein.

Fragen ohne Antworten

Der nasse Asphalt spiegelte das Licht der Scheinwerfer und die Scheibenwischer peitschten über die Windschutzscheibe.
Mein Blick fiel auf das beleuchtete Armaturenbrett: Verdammt schon 17:45 Uhr. Dabei hatte ich versprochen, an unserem Hochzeitstag pünktlich zu sein.
Ich drückte das Gaspedal durch, bis die Tachoanzeige bei 120 km/h stehen blieb. Freie Fahrt! So würde ich es schaffen! Ein zufriedenes Lächeln huschte über mein Gesicht.
Der Regen ließ nach. Wenige Kilometer später überholte mich ein Polizeiauto mit Blaulicht. Es setzte sich mit leuchtender Bitte Folgen Anzeige vor meinen Wagen.
„Warum heute?“, fluchte ich. Passte das Tempo an, folgte und hielt direkt dahinter in der nächsten Haltebucht. Wir befanden uns mitten im Niemandsland.
Im Licht der Scheinwerfer erkannte ich zwei Beamten, die aus dem Streifenwagen ausstiegen und sich meiner Fahrerseite näherten. Ich öffnete mein Fenster.
„Guten Abend. Verkehrskontrolle. Sie sind deutlich zu schnell gefahren. Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte.“, sprach mich der stämmige Polizist höflich, dennoch bestimmt an.
„Kann sein, dass ich zu schnell war. Ich muss zu einer Verabredung!“, gestand ich und kramte nervös im Handschuhfach und in der Handtasche nach den geforderten Unterlagen. Dabei fiel mir der Lichtkegel auf, der durch das hintere Seitenfenster den Innenraum absuchte.
Das ist alles Routine und gehört dazu, redete ich mir ein und übergab mit zittrigen Händen die Dokumente dem Beamten.
„Hier. Könnten wir das bitte kurzhalten? Ich bin wirklich spät dran!“
Schweigend betrachtete er die Papiere und leuchtete mir direkt ins Gesicht.
Das Licht seiner Taschenlampe brannte mir in den Augen. Ich hob schützend die Hand darüber. „Stimmt was nicht?“ Fragte ich und musterte ihn erwartungsvoll.
Er zog die Augenbrauen zu einem Strich zusammen und nickte seiner Kollegin zu.
Was war hier los? Warum griff er jetzt nach seiner Waffe? Mein Blut rauschte in den Ohren: Hatte ich was falsch gemacht?
„Ziehen sie den Zündschlüssel und legen ihn auf das Armaturenbrett. Steigen Sie langsam aus!“ Er wich mit der Hand an der Waffe im Holster einen Schritt zurück und hielt seinen Blick starr auf mich gerichtet. Seine Kollegin positionierte sich wachsam leicht versetzt neben ihm.
Mein Magen verkrampfte sich, als ich die Autotür öffnete. Mir wurde übel und ein Schauer durchfuhr meinen Körper. Tu es nicht! Schrie es in mir.
Ich atmete tief durch. Ungeachtet der Stimme in meinem Kopf setzte ich einen Fuß nach dem anderen auf den Boden und richtete mich auf.
Mein Blick blieb an dem Polizisten hängen und die Welt um mich herum verstummte. Ich sah zwar die Bewegung seiner Lippen, doch verstand ihn nicht. Seine Hand schoss blitzartig auf mich zu. Er packte mich an der Schulter und presste mich frontal gegen die Karosserie des Wagens. Etwas Kaltes umschloss mit einem Klacken mein rechtes Handgelenk. Zeitgleich fasste jemand das zweite und führte beide Arme auf dem Rücken in der Handschelle zusammen. Ehe ich realisiert hatte, was geschehen war, tastete mich jemand mit gezielten Griffen von oben bis unten ab.
„Was… was soll das?“, stammelte ich und suchte den Blick des Beamten, der mich unentwegt gegen den Wagen drückte.
„Sie sind vorläufig festgenommen! Sie stehen unter dem dringenden Tatverdacht die entflohene Verbrecherin Petra Schwarz zu sein“
„Aber, das bin ich nicht!“, schrie ich verzweifelt.
„Und wer ist dann das hier?“ Er hielt mir ein Foto vors Gesicht.
Die schmale Kinnpartie, eisblaue Augen: Wieso hatte er ein Bild von mir?
Der Beamte zog mich vom Auto weg und schob mich auf den Streifenwagen zu.
Meine Beine waren wie Gummi und irritiert stolperte ich von einem Fuß auf den anderen. Aber das war ich nicht! Oder? Ich blieb an einem Stein hängen und fiel.

Der Griff des Beamten löste sich und der sich nähernde Boden verschwand in einer Finsternis, die alles Verschlang. Ich fiel und schlug um mich, in der Hoffnung Halt zu finden. Aber da war nichts außer… was Weiches!

Unter mir war ein samtiger Untergrund und eine warme Decke hüllte mich ein.
Mein Herz raste. Ich wusste nicht, wo ich war, und schlug die Augen auf.
Die vertrauten Schatten meines Zimmers umgaben mich. Hier gab es weder eine Straße noch die Polizisten. Unter der Bettdecke zog ich meine Hände hervor: Keine Handschellen! Erleichtert holte ich tief Luft, atmete mit einem hörbaren Seufzen aus und drehte mich auf die Seite. Mein Blick fiel auf die rote Digitalanzeige des Weckers: 3:05 Uhr. In drei Stunden brauchte ich erst aufzustehen. Ich zerknüllte das Kissen und vergrub den Kopf wie immer darin. Der tosende Herzschlag legte sich und der Schlaf empfing mich in seinen Armen: Es war alles nur ein Traum!

Ja, es war bloß ein Traum gewesen, doch die Gedanken an ihn ließen mich nicht mehr los. Jeden Abend lag ich jetzt im Bett und wünschte mir, diesen Traum wieder erleben zu dürfen, denn ich hatte Fragen, auf die ich keine Antworten hatte.

Sieben Tage sind seit jener Nacht vergangen und wieder wälzte ich mich gedankenverloren unruhig von einer Seite auf die andere.
Die Geschichte aus dem Traum muss aus meinem Kopf raus! Aber wie …
Die Lösung traf mich wie ein Schlag. Schon drückte ich an meinem Rechner auf Power und der Bildschirm leuchtete in der Dunkelheit in einem grellen Blauton auf, das sich dank der Automatik rasch in den augenfreundlicheren Gelbton wandelte.
Ich startete Word und schrieb dort meinen Traum nieder. Im Grunde wollte ich nur meinen Kopf frei bekommen, um endlich schlafen zu können. Doch die entstandene Notiz sollte den Grundstein für eine eigene Realität bildeten, die seit nunmehr sechs Monaten stetig wuchs und weiterwächst.

Um ehrlich zu sein, ich will gar kein Schriftsteller sein, ich möchte einfach diese im Traum begonnene Geschichte beenden!

Am Ende weiß ich nicht, wohin mich mein Weg führen wird.

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