Die Schriftstellerei ist eine Kunstform. Kunst überhöht die jeweilige Wirklichkeit. Gleichzeitig ist die Kunst des Schreibens angetreten, versteckte Dinge zu zeigen, ohne den Pfad des guten Geschmacks dabei zu verlassen, denn wir wollen ja niemanden verletzen. Deshalb ist es oft interessanter, nur anzudeuten, z.B. Jargon, Regionalität und Dünkel.
Es ist zum Beispiel viel aufschlussreicher zu beschreiben, wie jemand fast vergeblich versucht, sein Lachen zu unterdrücken, als sein hemmungsloses Lachen, das ihn möglicherweise blamieren würde. Genau so zu schreiben, wie eine reale Person sich real ausdrückt, ist oft unverständlich und die Sätze sind oft halb, wenn man überhaupt von Sätzen sprechen kann. Wir alle stammeln mehr, als uns bewusst ist. Ist dennoch einmal jemand dabei, der in einem normalen Gespräch druckreif spricht, werden die meisten von uns die Augen rollen! Es geht vielmehr darum, das, was die Figur sagt, zusammenzufassen, und seinen inneren Antrieb zu erkennen, damit sich der Leser in die Figur hineinversetzen kann. Na ja, ein wenig komplizierter ist es schon!
Das ist aus meiner Sicht das, was den Leser an einem Buch interessiert.
Bayerischer Dialekt ist mein Dialekt. Und obwohl ich ihn beim Lesen gut verstehen kann, würde ich es nicht lesen wollen.
Man kann sicher einen Charakter mit einem “Jo mei” und vielleicht noch einer weiteren Kleinigkeit färben, wenn notwendig, und schon hat der Leser ein Bild und spricht den Rest in seinem Kopf so nach, wie er sich den Dialekt vorstellt. Ob das authentisch ist, ist mir als Leser eigentlich egal. Hauptsache ich werde nicht rausgerissen.
Wenn ich mir vorstelle, dass einige meiner Testleser durch österreichische Grammatik beim Lesen gezuckt haben (und ich zuerst nicht verstehe warum, weil für mich zwischen Standard-Deutsch und österreichischem Deutsch kein Unterschied erkennbar ist, es anderen aber die Zehennägel aufstellt ), will ich nicht wissen, wenn derjenige dann unvermittelt Dialekt lesen muss.
Klar wird man es verstehen können, wenn man muss. Aber wenn es mehr so ein “Nebenbei”-Roman ist, wird man schlimmstensfalls den Absatz überspringen?
Edit: Ich hatte mal eine Figur, die hat abgehaktes “Balkandeutsch” gesprochen. Und damit es authentisch wirkt und nicht so, als hätte ich es zwischendurch vergessen, hab ich das durchgezogen. Das Feedback: massiv zu anstrengend zu lesen. Am Anfang noch interessant, nach dem dritten oder vierten Auftritt weglassen, man weiß ja wie derjenige spricht.
vielen Dank für eure Meinungen und Gedanken, das hat mir sehr geholfen einen Weg für mich zu finden. Ein paar Fäkalausdrücke werde ich evtl. umändern. Die Authentizität meiner “Patienten” werde ich bei einigen im Münchner Dialekt beibehalten.
Mein Fehler war vielleicht, euch die drei gröbsten Beispiele zu nennen. Das Buch (Medical Memoires/Sachbuch) handelt von meinen Fällen aus 25 Jahre Notaufnahme in München, da muss ein bisserl Lokalität hinein.
Im Prinzip wollte ich nur wissen ob man Umgangssprache oder Dialekt im Buch verwenden darf. Da habe ich jetzt ein Meinungsbild. Zefix nochamal, Eberhofer