Re: Problem beim Erzeugen des ePubs
[QUOTE=StephanB]
Als Einführung: ich schreibe Bücher. Lange, lange Bücher. keine Webseiten. Ich mache natürlich NICHT nach jeder Zeile einen manuellen Umbruch.
Aber es gibt häufig, gerade im Dialog Stellen, an denen innerhalb des Absatzes eine frische Zeile begonnen werden muss.
Ich bin auch erst kürzlich auf Papyrus umgestiegen und bin es einfach von Word gewohnt, wenn ich an diesen Punkt komme, dass ich eine neue Zeile brauche, einmal auf „Enter“ zu drücken. Fertig ist der Lack. Zweimaliges „Enter“ begann einen neuen Absatz (Ich glaube sogar, dass man da bei Word in den Optionen diesbezüglich was einstellen konnte. Sowas wie, „Enter in Leerzeile erzeugt neuen Absatz“, müsste ich nochmal nachsehen)
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(?) (?) (?)
Also – ich schreibe auch Bücher. Und die sind auch ziemlich lang. Aber ich höre von diesem Problem zum ersten Mal in meinem Leben. Oder verstehe ich da irgendwas nicht?
Früher, kurz nach der Kreidezeit, als man zum Schreiben noch Schreibmaschinen verwendete und Computer große Geräte in klimatisierten Hallen waren, die, wenn sie teuer waren, ungefähr die Leistungsfähigkeit einer musizierenden Glückwunschkarte heute hatten, damals war das so: Man tippte einen Buchstaben nach dem anderen aufs Papier, und wenn man am rechten Rand angelangt war und sah, aha, das nächste Wort passt da nicht mehr hin, dann hat man den sogenannten „Wagenrücklauf“ ausgelöst, der die nächste Zeile angefangen hat: Bei mechanischen Schreibmaschinen zog man dazu – klingel, rassel, rumms – an einem Hebel, der das Papier gleichzeitig eine Zeile weiter schaltete und den ganzen Wagen so verschob, dass der nächste zu tippende Buchstabe am linken Rand erscheinen würde. Bei elektrischen Schreibmaschinen (hab ich nur gesehen, nie benutzt) gab es dafür eine Taste (bisweilen „Enter“-Taste genannt, was anfangs bisweilen als „Eingabeabschluss-Taste“ eingedeutscht wurde), und nicht der Wagen, sondern der Druckkopf verschob sich.
Als Computer zum Schreiben üblich wurden, war das Konzept der „Zeile“ als Einheit das erste, was wegfiel. Die kleinste Einheit heutzutage ist der Absatz: Das Stück Text bis zum nächsten CR-Zeichen, was „Carriage Return“ bedeutet, „Wagenrücklauf“ auf Deutsch, obwohl es keinen Wagen und keinen Rücklauf mehr gibt. Eine historisch gewachsene Bezeichnung also. Wieviel Text jeweils in eine Zeile passt, ist heutzutage völlig unerheblich, weil der Computer das zurechtfummelt, wie man’s gerade braucht.
Unerheblich ist auch, wie lange ein Absatz ist.
„Wow“, sagte er.[CR]
ist 1 Absatz. Und
„Ich glaube nicht, dass es in WORD je eine Option ‚Enter in Leerzeile erzeugt einen neuen Absatz‘ gegeben hat“, sagte er kopfschüttelnd, „und ich müsste mich entweder sehr täuschen – immerhin habe ich eine Weile meine Brötchen damit verdient, WORD-Kurse zu geben – oder die Programmierer von WORD haben bei den letzten Versionen, die ich nicht mehr mitgekriegt habe, endgültig den Verstand verloren. Auch in WORD war die Eingabetaste immer schon das Ende eines Absatzes; WORD hat in seiner allerersten DOS-Version sogar das Symbol dafür eingeführt, das mancherorts heute noch verwendet wird – das Zeichen, das ein bisschen wie ein verunglücktes Pi aussieht. Der nächste Absatz kann zum vorhergehenden einen Abstand haben, der größer als der normale Zeilenabstand innerhalb eines Absatzes ist; das war aber schon immer etwas, das man als Eigenschaft des betreffenden Absatzes einstellte. Notwendig war es erstens aus typografischen Gründen, zweitens aufgrund unterschiedlicher Gewohnheiten: In Amerika war es zu Schreibmaschinenzeiten üblich, Absätze durch Leerzeilen zu trennen, während es in Europa eher üblich war, den Anfang von Absätzen dadurch zu markieren, dass man deren erste Zeile eine immer gleiche Anzahl von Leerzeilen (meistens 3) einzog. Was, anbei bemerkt, nicht nur papiersparender ist, sondern auch die Kalkulation von Buchumfängen vereinfacht. Es gab auch in WORD die Möglichkeit, innerhalb eines Absatzes einen sogenannten Zeilenumbruch zu erzwingen – durch Shift-Return, wenn ich mich recht entsinne – was man aber in der Praxis überaus selten braucht, so selten, dass mir jetzt gerade gar kein Beispiel einfallen will. Für Gedichte vielleicht?“ Er zuckte mit den Schultern.[CR]
ist auch nur genau 1 Absatz.
Nicht eine frische Zeile, Du beginnst da jeweils einen neuen Absatz. Ein Dialog ist in der Regel eine Abfolge von vielen relativ kurzen Absätzen; oft so kurz, dass sie weniger als eine Zeile Platz brauchen.
„Aber –“, begann er.[CR]
„Nein, warte“, unterbrach ich ihn. „Ich erklär das gleich.“[CR]
Er runzelte die Stirn. „Da bin ich gespannt.“[CR]
Das sind 3 Absätze!
Ich weiß aus meinen Schreibseminaren in Wolfenbüttel und aus Gesprächen mit leidgeprüften Lektoren, dass viele Autoren sehr seltsame Marotten entwickeln, wie sie ihre Manuskripte in Hinblick auf Absätze und Zeilenschaltungen gestalten. Sieh mir bitte nach, dass ich Dich bis zum Beweis des Gegenteils verdächtigen muss, da irgendwie auch eine Marotte entwickelt zu haben – eine, die mir noch nicht begegnet zu sein scheint. Denn das Prinzip eigentlich jeder Textverarbeitung auf diesem Planeten ist höchst einfach folgendes: Die Eingabetaste erzeugt einen neuen Absatz – und der beginnt auf einer neuen Zeile.